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Liebe Leserinnen und Leser, es ist noch jung, das Pflänzchen Theater.Welten ...

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist noch jung, das Pflänzchen Theater.Welten, und mit diesem Editorial erscheint es gerade erst zum dritten Mal. Als Idee formuliert wurde das gesamte Online-Format in einer Zeit vor Corona. An Herausforderungen hat es auch damals nicht gemangelt, allerdings befinden wir uns im Jahr 2021 nun doch in einer anderen Zeit. Sie verlangt der Gesellschaft etwas ab, was wir in den vergangenen Jahren tunlichst vermieden und möglicherweise sogar verlernt haben: Stillstand, Langsamkeit, schier endlose Geduld und die Gewöhnung an Unsicherheit und mangelnde Planbarkeit. Und dies zusätzlich zu den Existenzsorgen, von denen insbesondere im System der Künste viele Menschen betroffen sind. Vielleicht ist es trotzdem nicht der schlechteste Zeitpunkt, um ein neues Online-Medium herauszubringen. Mit der Pandemie werden viele bereits vorher existente Krisen deutlich sichtbarer und wir sind aufgefordert, zu handeln und zu lernen. Und genau dort wollen wir mit Theater.Welten anknüpfen.

In einer komplizierten Welt kommt der Meinungsbildung und der Diskussionskultur entscheidende Bedeutung zu. Dazu braucht es objektive Fakten, den Mut zur Meinung und Haltung und nicht zuletzt die Offenheit und die Lust, auch anderen Meinungen ein Ohr zu schenken/eine Plattform zu bieten. Das mag banal klingen, erscheint
aber angesichts zunehmender Polarisierung und Radikalisierung im öffentlichen Diskurs alles andere als selbstverständlich. Die Corona-Krise lehrt auf eindrucksvolle Weise, wie derzeit um Wissen und Fakten gerungen wird und wie schnell Menschen Glauben für Wissen halten. Eine demokratische Gesellschaft ist aber auf anerkannte Informationen, die durch den Austausch von Meinungen in der Öffentlichkeit diskutiert wurden, angewiesen. Das gilt selbstverständlich auch für die Kulturpolitik und das Theater. Seit jeher ringt das Theater um seine Position, seine Rolle und den moralischen Anspruch – auf der Bühne und dahinter. Die #Metoo-Debatte, Konflikte um Geschlechtergerechtigkeit und Macht, Führung und Hierarchien, aber auch Nachhaltigkeit und Rechtspopulismus haben das in den letzten Jahren gezeigt. Theater.Welten will diese Themen aufgreifen, Wissen vermitteln und meinungsstarke Debatten ermöglichen. Die zweite Erkenntnis ist, dass wir unsere Probleme nur lösen können, wenn jede*r Einzelne sich ihrer bzw. seiner Verantwortung bewusst wird und dementsprechend handelt. Dazu notwendig ist Empowerment, Wissen, Weiterbildung. Mit Theater.Welten verfolgen wir diesen Anspruch, kontinuierlich am eigenen Kompetenzaufbau zu arbeiten.

Vor diesem Hintergrund war uns ganz wichtig, den Bogen weit zu spannen und die Themenauswahl nicht zu eng zu fassen. Das bedeutet nicht, dass alles irgendwie relevant ist und die Themenauswahl willkürlich werden darf. Aber gesellschaftliche Relevanz auf der einen Seite und die bzw. der Einzelne mit ihren und seinen Kompetenzen auf der anderen Seite eröffnen ein weites Feld. Gerade Führung verlangt heute so viel mehr als Top-down-Management. Davon zeugen nicht zuletzt die Beiträge, die wir im Januar und Februar für Sie ausgewählt haben. Michael Wimmer aus Wien blickt kulturpolitisch kritisch auf die Theaterlandschaft und den Kulturbetrieb in der Krise und verlangt entschlosseneres Handeln und mehr Mut zu den Fragen, die keiner stellen will. Beat Fehlmann erklärt uns das sogenannte Ludwigshafener Modell zur Wirkungsmessung und wagt sich damit auf heikles Terrain: Wie soll „gemessen“ werden, was Theater und Orchester tun, und wie kann das sogar ein strategischer Vorteil sein, um für finanzpolitische Diskussionen gerüstet zu sein? Messen kann man auch die Zeit, die meisten haben keine oder zu wenig und mancher in der Pandemie hat viel zu viel davon – immer aber stellt sich die Frage nach dem richtigen Zeitmanagement. Bevor Sie jetzt abwinken: Brigitte Miller stellt klar, dass viele Methoden, die als das Gelbe vom Ei versprochen werden, bei Kreativen gar nicht funktionieren, weil sie schlicht und ergreifend bei der falschen Gehirnhälfte ansetzen. Und schließlich präsentiert uns Tillmann Seidel eine Einführung in die agile Organisationsentwicklung. Wer angesichts der aktuellen Herausforderungen seine betriebliche Organisation überdenken will oder muss und das Gefühl hat, dass manche Strukturen mehr verhindern als ermöglichen, kann hier möglicherweise neue Inspiration bekommen.

Wenn Sie Themenwünsche, Vorschläge, Lob oder Kritik haben, zögern Sie bitte nicht, uns anzusprechen.

Ich wünsche Ihnen eine inspirierende und bereichernde Lektüre und freue mich, wenn Sie Theater.Welten weiterempfehlen.

Ihr
Marc Grandmontagne

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